Ensemble |  Einleitung
  Historie
  Einzelbiografie Johannes Tomböck - Dominik Hellsberg - Hannes Moser - Günter Haumer - Heinz Hromada

Philharmonia Schrammeln Wien

Philharmonia Schrammeln Wien

Philharmonia Schrammeln Wien

Philharmonia Schrammeln Wien

Philharmonia Schrammeln Wien

Philharmonia Schrammeln Wien

Philharmonia Schrammeln Wien

Philharmonia Schrammeln Wien

Philharmonia Schrammeln Wien

Dass die Schrammelmusik in Wien in letzter Zeit einen neuen Höhepunkt erlebt - es gibt wieder eine große Zahl von Ensembles und tausende Besucher bei den alljährlichen Schrammel–Picknicks im Burggarten - mag manchen Beobachter der Wiener Musikszene überraschen. Allzu oft hat man der aus dem 19. Jahrhundert überlieferten instrumentalen Volksmusik das baldige Aussterben prophezeit.

Während die Brüder Johann und Josef Schrammel noch zu Lebzeiten das Interesse auch höchster Kreise der Wiener Musikszene gefunden hatten, sank nach ihrem Tod in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre die Musik der zahlreichen, musikalisch noch immer hochwertigen Ensembles im öffentlichen Ruf stark herab und wurde vom musikalisch gebildeten Publikum eher als akustische Kulisse der Heurigenbetriebe betrachtet, die nur ein stetig kleiner werdender Kreis von Liebhabern zu schätzen wusste.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, als die anglo–amerikanische Tanzmusik einen immer größeren Einfluss auf die europäische Unterhaltungsmusik auszuüben begann, fühlten sich die Wiener Volksmusikanten, von denen es damals noch viele gab, von der neuen Entwicklung ernsthaft bedroht. So kam es 1921 zur Gründung einer Vereinigung mit dem hochtrabenden Titel »Gesellschaft zur Hebung und Förderung der Wiener Volkskunst«, mit der man versuchte, eine Gegenreaktion zu den modischen Entwicklungen des Musiklebens zu setzen. Es ist kein Zufall, dass damals das Interesse der professionellen Musiker der großen symphonischen Orchester der Stadt an der »Schrammelmusik«, wie sie jetzt genannt wurde, wieder aufzuleben begann.

1923 entstand unter der Leitung von Prof. Karl Schreinzer das erste Quartett, in dem sich Geiger der Wiener Philharmoniker mit Volksmusikanten zusammenfanden, um ein gemischtes Programm aus Werken der Schrammelmusik und Bearbeitungen klassischer Stücke in konzertanter Form aufzuführen. Der hervorragende Virtuose an der Knopfharmonika Josef Mikulas und sein Kollege, der Kontragitarrist Franz Kriwanek, sorgten dafür, dass die traditionellen Elemente der alten Wiener Volksmusik dabei nicht zu kurz kamen.

Etwa zur gleichen Zeit wie das »Schreinzer–Quartett« entstand auch das »Tautenhayn–Quartett« unter der Leitung des Harmonikaspielers Carl Tautenhayn mit sehr ähnlichen musikalischen Zielen. In der wirtschaftlich schwierigen Zeit der Dreißigerjahre wurden die Auftrittsmöglichkeiten für Schrammelmusiker dann immer geringer, und die Zahl der ausreichend beschäftigten Volksmusikquartette und –terzette reduzierte sich auf einige wenige. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg finden wir wieder eine Gruppe in Verbindung von philharmonischen Musikern und Volksmusikanten.

Die »Faltl–Kemmeter–Schrammeln« unter gemeinsamer Leitung des philharmonischen Geigers Prof. Hans Faltl und des Vollblut-Volksmusikanten Franz Kemmeter bringen bereits in ihrem Namen die musikalische Absicht zum Ausdruck. Sie dominieren die Szene der Nachkriegszeit, werden zum musikalischen Aushängeschild der neuerstandenen Republik Österreich bei Staatsempfängen und vielen anderen offiziellen Anlässen. Daneben verringert sich mit dem Aussterben der alten Musikantengeneration kontinuierlich die Zahl der Volksmusik–Quartette. Das oftmals zitierte Ende der überlieferten Wiener Volksmusik scheint nahe.

Es soll ein harmloses Kantinengespräch Ende der Fünfzigerjahre in der Wiener Staatsoper gewesen sein, das eine neue Entwicklung einleitete, ein Gespräch zwischen dem philharmonischen Geiger Alfred Spilar und dem Tontechniker Franz Nezval, der nebenbei die Altwiener Knopfharmonika spielte, in dem die beiden die Möglichkeit der Gründung eines neuen Schrammelquartetts diskutierten. Jedenfalls entstanden daraus die legendären »Spilar–Schrammeln«, mit denen die Initialzündung für eine höchst bemerkenswerte Wiedergeburt der Schrammelmusik ausgelöst wurde.

Als Alfred Spilar starb und der philharmonische Geiger Alfons Egger nach einer kurzen Übergangszeit das Ensemble übernahm, setzten die »Philharmonia Schrammeln«, wie sie sich nun nannten, das erfolgreiche musikalische Konzept Spilars fort, in dem sowohl die G–Klarinette, das »picksüaße Hölzl«, über Jahrzehnte von Willi Krause virtuos beherrscht, als auch die Knopfharmonika ihre Daseinsberechtigung behaupteten. Als zweiter Geiger neben Egger war zunächst weiterhin das Gründungsmitglied der Spilar–Schrammeln Eberhard Götz tätig. Er wechselte später, nach dem Ausscheiden von Franz Nezval, zur Harmonika, ihm folgte der Philharmoniker Martin Kubik als Sekundgeiger nach. Auch der Kontragitarrist Viktor Hink verblieb über Jahrzehnte in der Gruppe, er wurde schließlich durch Peter Hirschfeld abgelöst.

Regelmäßige Konzertauftritte, Festwochenveranstaltungen und ihre Matineen im stimmungsvollen Rahmen eines altehrwürdigen Heurigenlokals hatten sie inzwischen zu einem Fixpunkt im Kulturprogramm der Stadt werden lassen; Rundfunk– und Fernsehsendungen hatten sie über den Kreis der Liebhaber des Genres hinaus bekannt gemacht, auf den zahlreichen Auslandstourneen hatten sie den unverändert guten Ruf der Wiener Musik in aller Welt bestätigt. Nachdem die musikalischen Produktionen der Philharmonia Schrammeln in ihrer großen Bandbreite zwischen den Werken der Brüder Schrammel und deren Zeitgenossen sowie der klassischen Wiener Unterhaltungsmusik der Strauß–Ära bis hin zu den Brüdern Mikulas schon zwischen 1973 und 1991 auf etlichen Langspielplatten und einer CD festgehalten worden waren, wirkten sie in weiterer Folge an der sich über Jahre erstreckenden ORF–Produktion der »Kremser–Alben«–Sammlung auf insgesamt 15 CDs als Gesangsbegleiter und mit Instrumentalaufnahmen mit. Im Laufe dieser Arbeit erfolgte mit der Ablöse des Klarinettisten Willi Krause durch Hannes Moser ein weiterer Wechsel innerhalb des Ensembles.

Das Jahr 1999 bedeutete einen Wendepunkt in der Tätigkeit der Gruppe, indem sich Alfons Egger neuen Aufgaben zuwandte. Der philharmonische Konzertmeister Volkhard Steude übernahm zunächst den ersten Geigenpart, gefolgt von Martin Kubik und Andreas Großbauer. Seit Beginn des Jahres 2012 präsentiert sich das Ensemble nunmehr mit Johannes Tomböck und Dominik Hellsberg als Geigern, Heinz Hromada an der Kontragitarre, Günter Haumer spielt die Knöpferlharmonika und Hannes Moser bläst weiterhin die Klarinette. Ebenfalls in das Jahr 1999 fällt die ehrenvolle Einladung durch den Musikverein zu einem eigenen Konzertzyklus im Brahmssaal. Mit den den seither erschienenen CDs "Vintage" und "Wiener Typen" stellen sich die Philharmonia Schrammeln mit einem ersten Beweis der unverändert professionellen Beherrschung des Genres und des kontinuierlichen Fortbestandes eines der bedeutendsten Ensembles der Wiener Musik über rund vier Jahrzehnte vor. Das auf diesen CDs präsentierte Repertoire folgt der schon in der Vergangenheit bewährten Linie, reicht also von Franz Schubert bis zu den Brüdern Mikulas. Es beinhaltet in erster Linie Musik aus der Schrammel–Ära, davon zahlreiche für das Ensemble neue Werke und darüber hinaus einige bisher überhaupt nicht auf Tonträgern erschienene Stücke, wobei der Großteil der Arrangements aus Alfons Eggers Feder stammt.

Ernst Weber


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